Vitalis

Persönlichkeiten

Viktor von Geramb

24. März 1884 – 8. Jänner 1958

Der Deutschlandsberger Viktor von Geramb gilt als Urvater der wissenschaftlichen Volkskunde in Österreich. Seit 1913 leitete er die volkskundliche Abteilung des Landesmuseums Joanneum, ab 1931 wirkte er als Professor für Volkskunde an der Universität Graz. 1933 gründete er das heute noch bestehende Steirische Heimatwerk. Als bekennender Katholik und Parteigänger des steirischen Landeshauptmannes Dr. Karl Maria Stepan, eines Exponenten des Ständestaates und Gegners der Nationalsozialisten hatte sich Geramb den neuen Machthabern verdächtig gemacht. Mit einem nach eigener Einschätzung nur 50–60%igen Einverständnis zur Bewegung konnte er nach dem Anschluß nicht reussieren. Schon im Wintersemester 1938/39 wurden seine Vorlesungen für Volkskunde an der Grazer Universität eingestellt, 1939 wurde er in den unfreiwilligen Ruhestand versetzt. Seine „echte und von der Romantik her bestimmte schwärmerische und fast rührend kindhafte Verehrung zu Volkstum und Heimat“ half ihm nichts, da diese „mit einem grundsätzlichen und weltanschaulichen Übersehen der Wirklichkeit von Rasse und Rassenseele“ verbunden war. Publikationsvorhaben wurden von NS-Stellen behindert. Grotesk die Kommentare, die ein übereifriger Rezensent zu Gerambs „Kinder- und Hausmärchen aus der Steiermark“ etwa zu dem Märchen vom kranken Hansel äußerte. Es wäre da nämlich laut Meinung des Aufpassers darauf hinzuweisen, „daß es sich um keine Erbkrankheit handelt“. Einzig am Volkskundemuseum wurde Geramb noch geduldet. Nach sechsjähriger innerer Emigration wurde er nach dem Krieg rehabilitiert, sodaß er seine Karriere als Universitätslehrer erneut aufnehmen konnte. Michael J. Greger und Johann Verhovsek: Viktor Geramb 1884–1958. Leben und Werk. Wien 2007.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg waren die beiden Alten Herren der Akademischen Sängerschaft Gothia, Geramb und Kloepfer durch eine enge, vertrauensvolle Freundschaft verbunden, die bis zum Tode Kloepfers 1944 Bestand hatte. Am 29. Februar 1944 schreibt Viktor von Geramb an Kloepfer: „Was Du mir 35 Jahre lang gewesen bist und immer sein wirst, das kann ich Dir in Worten nicht sagen. Jedenfalls ist der Dank auf meiner Seite viel gebotener als auf Deiner. Der Gebende bist ja doch fast immer nur Du gewesen. Das bißchen, was ich für Deine Söhne habe tun können, war selbstverständlichste Freundespflicht. Doch was ist das gegen das Meer von Güte, Sonnenschein, Trost und Schönheit, das ich der Freundschaft mit Dir danke! Und an allem, was ich für unsere liebe Heimat tun durfte, warst doch Du beteiligt, wie außer meiner Frau gar niemand! Museum, Krippenlieder, Festspiel, Vortragsreisen, Bücher, Vorlesungen, Volksliedaufnahmen, Bauernhausfahrten, Sammlungswanderungen, wohin ich schaue, steht leuchtend der Name des Freundes Kloepfer […]. Und die Mell-Abende, die Abende mit Sieger, die Mondscheinwanderungen mit Zack, die Wiener, die Wachauer, die Schladminger und die Waldheimatfahrt […] und Dein dickes Paket von Briefen – das weitaus umfangreichste meiner Sammlung –, o, ich fände kein Ende, wollt ich all die Erinnerungen aufzählen. Wie schön, wie schön ist das alles […] gewesen“. Zitiert nach Herbert Blatnik und Walter Kienreich: Hans Kloepfer und seine Zeit. Eibiswald 1994, S. 91.