Vitalis

Persönlichkeiten

Josef Unterholzer

1880–1952

Anläßlich der Einweihung eines Kriegerdenkmals am 26. Oktober 1930 in Lankowitz, verfaßte Kloepfer dem bedeutenden Bildhauer Josef Unterholzer Zeilen, die in der Köflacher Chronik wiedergegeben sind: „Als Sohn eines tüchtigen, ernsten Bergmannes in Lankowitz geboren, der in der Grube sein Leben ließ, und seine Feierstunden in ungewöhnlich innerlicher Weise seinen Kindern auf stillen Wanderungen zu widmen wußte, der jede Blume, jeden Vogelruf kannte, wurde der kleine Josef frühzeitig in der Not des Alltags der Fürsorge der Brüder vom heiligen Franziskus zu Lankowitz übergeben, die in ihrer Weise sich freundlich des jungen Klosterschülers annahmen. So suchte er ins Leben, immer in ihrem Geleit, über Lankowitz, nach Salzburg, nach Belgien, nach Holland, ins Westfalenland. Aber über Donat und Julius Cäsar hinweg lockten Zeichenstift und Schnitzmesser. Und führten ihn denn auch eines schönen Tages glücklich in die Werkstatt des tüchtigen alten Holzbildhauers Gschiel in Graz.

Damit begann ein Künstlerschicksal, von Sturm und Not begleitet, hart und unerbittlich, in zähem Ringen und lässigem Treibenlassen, aber auch in seinen trübsten Stunden erhellt vom Glauben an die Kraft der Begabung, bei zunehmender Sicherheit des Könnens. Von Kindheit an gewohnt, im Kleinen Großes zu sehen und dazu am urtümlich, unverbrauchten Menschen das Genügen zu finden für Herz und Geist, für Aug und Hand, hat Unterholzer so seine strenge, oft etwas eigenwillige Ursprünglichkeit bewahrt, an der jede Moderichtung der Kunst des Tages ihre Lockungen umsonst verschwendet. Das Gesetz von der Wirkung der kleinen Geste, in der Kunst ebenso entscheidend wie in der Politik und Erziehung, verleiht seinen Gestalten, sie mögen noch so schmucklos im Detail sein, eine Linie der Größe, die den Beschauer zu stiller Ehrfurcht zwingt.

Bis zur vollen Reife freilich gab’s einen leidvollen Weg. Das erste Geländer dahin bot die Grazer Kunstgewerbeschule, später die Wiener Kunstakademie, von der nach manchen ersten Preisen der Weg ins Freie lief, in die unbegrenzte, gleichgültige Freiheit der weiten Welt. So mußte er immer wieder das Tischlein decken, zu Wien, in Deutschland, fünf Jahre lang in Paris. Nur die Feierstunden durften der hohen Kunst dienen. In ihnen wurde Unterholzer zum Meister der Medaille, der Plakette, und fand wie traumsicher immer wieder in allen Entwürfen und Skizzen jene Geschlossenheit der Linie, jenen schweigenden Umriß des Mals, der über echter Plastik liegt. Dem Kunsthandwerk verdankt Unterholzer auch die spielende Leichtigkeit des Gestaltens aus jedem Material, mit Meißel und Schnitzmesser, mit Stift und Farbe. Und reich wie die Bilderwelt, die ins durstige Auge des Umhergetriebenen fiel, von der französischen Küste bis Polen, von der Nordsee bis zur Lombardei, durch quellfrische Waldgräben, über sonnige Almen der Heimat, ist auch die Fülle der Entwürfe, die Lust der gestaltenden Hand, die stets oder auch meistens, ohne spiegelndes Modell, die Form aus dem Stoff holt, im heroischen Krieger, dem duldenden Heiland aus Stein, in der Madonna im Rosenhag, oder den köstlichen volkstümlichen Krippengestalten aus Linden oder Birnholz, in der sinnenden Kinderbüste, im bockenden flötierenden Faun; und endlich einmal wohl auch in der gewaltigen Brotschüssel aus schneeweißem Ahornholz, an deren vollendeter Zweckmäßigkeit ein Hauch lustiger hausbackener Schönheit Gast und Wirtin erfreut.“