Vitalis

Medizingeschichtliches

Der Steirische Kräutersaft

Der Steirische Kräutersaft für Brustleidende vulgo Syrupus pectoralis Styriacum, ein „Husten stillendes und Heiserkeit behebendes Mittel“ war vom Besitzer der Hirschenapotheke Josef Purgleiter dem Älteren 1849 entwickelt worden und mauserte sich in kürzester Zeit zu einem der erfolgreichsten, von Dutzenden von Ärzten empfohlenen Pharmazeutikum aus Grazer Provenienz. In guten Zeiten wurde der Kräutersaft in Depots in Wien, Prag, Brünn, Lemberg, Pest, Mailand und Triest vorrätig gehalten und jährlich in zehntausenden Flaschen abgegeben. In Zeitungen, Kalendern und Prospekten wurde der Kräutersaft beworben, so etwa auch in französisch unter „Suc d’herbes des alpes de la Styria“ oder in Tschechisch als „Šťáva ze štýrských bylin proti prsním neduhům“. Allein zwischen 1870 und 1873 sollen mehr als 173.000 Flaschen ausgeliefert worden sein. Seit 1874 leitete Purgleitners gleichnamiger Sohn die Apotheke und wohl auch die Kräutersaftherstellung. In des Apothekers Haus erhielt Kloepfer später, während seiner Arbeiten im Steiermärkischen Landesarchiv freundliche Herberge. Noch in den 1920er Jahren konnte der Kräutersaft bezogen werden, jedoch war die Zeit für dieses Präparat vorbei, da mittlerweile wirkungsvollere Präparate verfügbar waren. Ob Kloepfer selbst Steirischen Kräutersaft verschrieben hat, ist nicht bekannt. Bernd E. Mader: Ein Verkaufsschlager im 19. Jahrhundert – Der „Steirische Kräutersaft“. In: Österreichische Apotheker-Zeitung, 53. Jahrgang, Nr. 8, 19. April 1999, S. 365f und Nr. 10, 17. Mai 1999, S. 453f.