Vitalis

Medizingeschichtliches

Das alte Grazer Allgemeine Krankenhaus in der Paulustorgasse

Unter den Grazern ist das seit 1731 im Besitz des obersteirischen Benediktinerstiftes St. Lambrecht befindliche Gebäude als Lambrechter Hof bekannt. Das Wappenemblem auf der Fassade erinnert indes an die Vorbesitzer, das Grafengeschlecht der Wildensteiner. Eine Reihe bedeutender Persönlichkeiten hat in diesem Palais ihren Aufenthalt genommen. So nächtigte etwa am 19. März 1783 in einem Eckzimmer der ersten Etage, dem Zimmer 1 der nachmaligen chirurgischen Abteilung, seine Heiligkeit Papst Pius VI., der sich auf der Durchreise nach Wien befand, wo er Kaiser Joseph II. von dessen Klosterschließungen abbringen wollte – freilich vergeblich, wie man weiß. Auch der Kaiser weilte mehrmals zu Gast in dem Palais, da er ja die Umgestaltung des Lambrechter Hofes und den Spitalsumbau höchstselbst zu überwachen geruhte. Am 1. März des Jahres 1788, gerade auf der Durchreise nach Triest, besichtigte er den Zustand der adaptierten Gebäude und bemängelte bei dieser Gelegenheit die zu geringe Höhe der chirurgischen Räume im zweiten Geschoß.

Das Krankenhaus bestand damals aus einem straßenseitigen Solitär, dem Haupttrakt Paulustorgasse 8, und dem dahinter gelegenen Hoftrakt etwa gleicher Größe. Gegen Ende der 1780er Jahre richtete man in diesem um zwei Etagen aufgestockte Stallgebäude das Gebär- und Findelhaus ein, das zuvor seinen Sitz auf dem Griesplatz hatte.

Am 15. Dezember 1789 konnte das mit 80 Betten ausgerüstete Krankenhaus in Betrieb genommen werden. Ein Medicus ordinarius leitete die interne, ein von einem Assistenten unterstützter Chirurgus primarius die chirurgische Abteilung. Patienten fanden zu jeder Tages- und Nachtzeit Aufnahme. Der Gebäudekomplex war jedoch wenig geeignet für die Anforderungen eines Spitals, die Zimmer zu eng und von der Disposition her unzulänglich. Ein Krankenhausgarten konnte erst eingerichtet werden, als 1807 die Bastion II der Stadtbefestigung zur Verfügung stand. An der Nordseite des Krankenhaushofes wurde 1820 ein neues Lehrgebäude für die seit 1788 bestehende k. k. Medicinisch-chirurgische Lehranstalt errichtet, diesem gegenüber entstand 1828 auf der Südseite ein Seitentrakt, dessen Fenster zum Garnisonsspital gerichtet waren. Im Hoftrakt wurden 1836 die Augenabteilung sowie eine syphilitische Abteilung eingerichtet.

Mit der internen, der chirurgisch-syphilitischen und der okulistischen umfaßte das Krankenhaus 1843 drei selbständige Abteilungen mit insgesamt 205 Betten. Drei Primarärzte, fünf Praktikanten, 17 barmherzige Schwestern und acht weltliche Wartepersonen betreuten die Patienten, dazu kamen ein Torwart und drei Hausknechte. Die Räume wurden mit Öl und Unschlittkerzen beleuchtet. Die eisernen Bettgestelle hatten einen grünen Anstrich, die Bettschirme waren mit grüner Leinwand bekleidet. Der ganze Krankensaal mußte sich mit einem kleinen Waschkästchen bescheiden. Aus hygienischen Gründen wurden die Zimmer regelmäßig mit Holz, Wacholder oder Olibanum ausgeräuchert. Fließwasser gab es in den Krankenzimmern nicht, es mußte vom Pumpbrunnen im Hof herangetragen werden. Platznot war an der Tagesordnung, und auch die

180 Betten, die den Geistes- und Gemütskranken im alten Tollhaus und im Röckenzaun’schen Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite zur Verfügung standen, reichten bei weitem nicht aus.

Zum Paulustor hin, neben dem Haupttrakt des Krankenhauses, errichtete der aus München berufene Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul 1841 ein Wohnhaus für jene Ordensschwestern, die den Pflegedienst im Spital übernehmen sollten. Die Stadtgemeinde hatte dem Orden die Parzelle Paulustorgasse 10 zur Verfügung gestellt. Welche Hoffnungen sich mit dem Wirken der geistlichen Schwestern verbanden, läßt sich von den namhaften Spenden ablesen, die von Wohltätern zur Berufung des Ordens aufgebracht wurden. Der Generaloberin Ignatia Jorth aus München wurde gar das Grazer Ehrenbürgerrecht verliehen. Zunächst übernahmen die Töchter der christlichen Liebe die Ausspeisung der Pfleglinge und die Besorgung der Wäsche, ab 1855 oblag ihnen die gesamte Verwaltung des Spitals.

Während Kloepfers Ausbildungszeit dirigierte Oberin Leopoldine Suppan ungefähr vier Dutzend Nonnen. Daß die Ärzte mit den selbstbewußten Schwestern im geistlichen Habit manchen Strauß auszufechten hatten, wird man sich denken können, zumal die ärztliche Direktion aufgehoben und das Krankenhaus vom obersten Sanitätsbeamten des Landes „im Einvernehmen mit der Schwester Oberin“ geführt wurde. Aber auch die von den Ärzten angefeindeten Damen hatten es nicht immer leicht und einmal wurden sie gar Zielscheibe politischer Leidenschaften: Im Sturmjahr 1848 erschienen aufrührerische Rotten vor dem Spital, beschuldigten die Nonnen verschiedener Verfehlungen und forderten lautstark deren Vertreibung. Obwohl sich auch der Gemeinderat diesem Begehren anschloß, blieben die Barmherzigen Schwestern doch ungeschoren. Unter dem wachsamen Auge des obersten Landessanitätsbeamten schalteten und walteten sie weiter wie eh und je. Einzig ihrem Ansinnen nach Einführung der homöopathischen Heilmethode versagte sich die Behörde.

Mit der Gründung der medizinischen Fakultät übernahm am 1. November 1863 das Land Steiermark das Spital in seine Verwaltung, damit wurde das Allgemeine Krankenhaus vom städtischen zum Landeskrankenhaus. Nun übernahm eine „Krankenhausvorstehung“ die Leitung, gebildet aus den Vorständen der Kliniken und Abteilungen, dem Verwalter, dem Prosektor und dem Spitalschemiker. Aus der Mitte dieser Phalanx wurde für drei Jahre ein Obmann gewählt. Ab 1871 wurde vom Landtag ein ärztlicher Leiter und ein eigener Krankenhausdirektor bestellt, als erster übernahm der Dermatologe und Syphilidologe Eduard Lipp diese Funktion. Nun erst gelang es, den Einfluß der Barmherzigen Schwestern zurückzudrängen und eine der Direktion unterstellte Eigenverwaltung einzuführen. Die Krankenpflege blieb jedoch auch weiterhin Aufgabe des Ordens.

Vom angrenzenden Militärspital konnte 1866 für 3.000 Gulden der Militärspitalgarten erworben und darauf ein Gebäude für die pathologische Anatomie, ferner auch eine Wandelbahn errichtet werden. Nun konnten die Pfleglinge in der Parkanlage Spaziergänge unternehmen. Vor dem Paulustor richtete der Pathologe Hans Eppinger 1868 ein Leichenhaus ein, mitsamt einem Mikroskopiersaal für Studenten. Für die Hilfesuchenden noch wichtiger war indes der neue klinische Spitalflügel der 1869 hinter dem Garnisonsspital aufgeführt wurde. Im Erdgeschoß dieses Kliniktraktes bezogen im Jänner 1871 die chirurgische Abteilung Quartier, in der ersten Etage die Klinik für innere Medizin und im zweiten Stock die Augenklinik. In jeder Sektion gab es ein Männer- und ein Weiberzimmer, wie es hieß, mit je zwölf Betten, dazu die Wohnungen der Assistenten, ferner Hörsäle, Operationszimmer und dergleichen mehr.

Bis 1872 bestand das Tollhaus im aufgehobenen Kapuzinerkloster neben der Antonikirche. Erst nach der Verlegung der chronisch überfüllten Abteilung nach der neuerrichteten Landesirrenanstalt für die Steiermark, dem Feldhof unweit von Straßgang, konnten die nunmehr freien Räumlichkeiten in der Paulustorgasse Nr. 13 zum Isolierspital gewandelt werden, zu einer Quarantäneeinrichtung für Infektionskrankheiten wie Scharlach, Diphterie oder die Pocken, an deren Notwendigkeit nach einer Blatternepidemie mit fast 300 Todesopfern kein Zweifel mehr bestand. Im angrenzenden Gebäude Paulustorgasse 15, dem großen Röckenzaun’schen Haus, wurde um 1874 eine psychiatrische Beobachtungsstelle eingerichtet, eine Universitätsklinik unter dem Regiment von Richard Krafft-Ebing.

Die Modernisierung des Spitals verlief zögerlich, immerhin konnte 1872 eine Wasserleitung und 1877 eine Gasbeleuchtung installiert werden. Nun kamen auch Matratzen anstelle der bisher üblichen Strohsäcke in Gebrauch. Erst in Kloepfers ersten Universitätsjahren wurde hinter dem Isolierhaus ein erster Desinfektionsapparat aufgestellt, der schließlich 1892 durch einen großen Dampfdesinfektor ersetzt wurde.

Schon die Zöglinge der Medicinisch-chirurgischen Lehranstalt zu Graz, und damit auch Johannes Kloepfer, hatten ihre praktische Ausbildung am Grazer Allgemeinen Krankenhaus absolviert und nach Einrichtung der Grazer medizinischen Fakultät 1863/64 diente das Spital als Ausbildungsstätte für den akademischen Ärztenachwuchs. In Kloepfers Geburtsjahr 1867 waren an der jungen medizinischen Fakultät neun ordentliche und zwei außerordentliche Professoren mit der Lehre betraut, dazu zwei Dozenten und neun Assistenten. Den medizinischen Vorlesungen folgten 173 ordentliche und vier außerordentliche Hörer.

In den 1880er Jahren, als Kloepfer hier aus- und einging, entsprach das nunmehr hundert Jahre alte Krankenhaus längst nicht mehr dem üblichen Standard, wie den Zeitgenossen nicht verborgen blieb: „Die Krankenräume waren überfüllt, dicht gedrängt standen die Betten, in der Mitte waren Notbetten einfachster Art (Holzschragen) errichtet, Kranke lagen sogar auf Strohsäcken auf dem Boden. Die Zimmer waren im Winter überheizt, ohne Lüftung und wenig belichtet. Die ehemaligen Ställe des Herbersteinhauses dienten trotz feuchter Wände als Krankenräume. Die Gänge und Stiegen waren zumeist nicht heizbar. Die Beleuchtung bestand aus wenigen trübe flackernden Gasflammen. Abends versahen die Ärzte ihren Dienst am Krankenbett im Schein von Petroleumlampen oder gar nur Wachsstöcken. Es gab nur wenige, schlecht eingerichtete Bäder und unhygienische Abortanlagen. In einzelnen großen Krankenzimmern befand sich in einer Zimmerecke der durch Vorhänge verhüllte Leibstuhl für Schwerstkranke. Die klinischen Vorlesungen wurden zumeist in den Krankenräumen abgehalten, wobei sich die Hörer niedriger Klappsessel bedienten. Die medizinische Klinik nützte später einen großen Saal, der zuvor als Laboratorium gedient hatte. Hier standen für die Hörer Sessel bereit. Eng und dürftig waren die Laboratorien, ohne entsprechende Einrichtung. Die Gaszuleitung war so unzureichend, daß die Flammen der Bunsenbrenner am Abend erloschen. Zeitweilig war das Isolierhaus so überfüllt, daß drei Kinder in einem Bett lagen und außerdem eine große Anzahl von Patienten auf den Boden gebettet werden mußte. Die Typhuskranken lagen inmitten anderer Pfleglinge. Erst nach langem Bemühen gelang es, für diese Kranken sowie für die Tuberkulösen getrennte Zimmer bereitzustellen. Wiederholt ereigneten sich größere Hausepidemien, besonders unter den Pflegeschwestern.“

Das Anwachsen der Patientenzahlen in der räumlich unzulänglichen Spitalseinrichtung, die mangelhaften sanitären Verhältnisse und die immer weitere Entfaltung der medizinischen Fakultät mit den zunehmenden Erfordernissen des praktischen Unterrichts, ließen gegen Ende der 1880er Jahre den Gedanken an einen großzügigen Krankenhausneubau aufkommen. Als dieser in den Vororten St. Leonhard und Stifting in Angriff genommen wurde, war das Ende des seit mehr als einem Jahrhundert bestehenden Krankenhauses in der Paulustorgasse besiegelt. Im Mai 1912, Kloepfer war längst Werksarzt in Köflach, konnten die Pavillons des neuen Landeskrankenhauses in St. Leonhard bezogen werden, ein nach funktionellen und ästhetischen Kriterien alle Vorstellungen übertreffendes, dem Jugendstil verpflichtetes Großkrankenhaus, eine der modernsten Einrichtungen ihrer Art in Europa. Nach Männern und Frauen getrennt, wurden die gehfähigen Kranken in aller Frühe zu Fuß von Ärzten und Wartepersonen in Gruppen von 40 bis 50 Personen ins neue LKH geleitet. Die Schwerkranken wurden auf Matratzen lagernd von Speditionswägen überstellt, die restlichen Patienten aus der Paulustorgasse wurden auf großen, mit Sitzbänken versehenen Möbelwagen ins neue Spital verfrachtet. Am 3. August war die Übersiedlung ohne jeglichen Zwischenfall bewältigt. Noch hatte das Allgemeine Krankenhaus nicht ausgedient, den Planungen entsprechend wurde nun das städtische Krankenhaus am Gries aufgelassen und dessen Pfleglinge im leerstehenden alten AKH in der Paulustorgasse untergebracht. Mit Ausbruch des Weltkrieges wurde das Spital zum Lazarett bestimmt und füllte sich mit verwundeten und kranken Uniformierten. Erst im Oktober 1922 wurde der Krankenhausbetrieb endgültig eingestellt, als die Polizeidirektion in die Räumlichkeiten des aufgelassenen Spitals einzog.

Der Neubau war längst in aller Munde, als Kloepfer zunächst als Volontär der Augen-Abteilung zugeteilt wurde, der okulistischen Station: „Die war, schlecht und recht, untergebracht im zweiten Stockwerke des ,Herberstein-Hauses‘, wie der Bau nach seinem einstigen adeligen Herrn hieß. Es waren ungenügende, etwas gedrückte Räume, die Gänge stets von leichtem Abortgeruch umwittert. Warum die Leidenden zum überwiegenden Teil nach meiner Schätzung aus dem windischen Unterlande stammten, weiß ich nicht. Wahrscheinlich erklärte dies der Mangel eines Augenspitales in Marburg und die schlechte Wartung und Reinlichkeit der Landbevölkerung in den ersten Lebensjahren. Alle Insassen aber boten ein trübseliges Bild, im unbewußten Lichtverlangen der Kinder wie im ergebenen Verzicht des Alters auf die Bilder der schönen Gotteswelt vor den Sälen. Aber die große Mehrzahl fand immerhin Heilung oder Besserung ihrer mannigfachen Schäden.“

Besser war es um die neue Augen-Klinik bestellt, die gut ausgestattet war mit allen erforderlichen Einrichtungen: „Längst hatte sich die physikalische Optik ihr wissenschaftlich gesichertes Gebiet erobert, die Feinheit, Zierlichkeit und Eleganz der Operationen dienten ihrer eigenen kleinen Welt, und des genialen Graefe erlösende Tat, die Operation des grauen Stars, wurde immer wieder ein erhebendes Erlebnis auch für den ausführenden und darin geübten Arzt. Und in der Dunkelkammer enthüllte der Augenspiegel, des großen Physikers Helmholtz bahnbrechende Erfindung, eine Welt der Wunder, wenn er den Augenhintergrund in leuchtendem Purpur aufleuchten ließ und die Störungen im weiten Rundblick auf oft winzige Quellen zurückwies“.

Nach einem halben Praxisjahr rückte Kloepfer zum Sekundararzt zweiter Klasse auf, was nicht nur mit einem freien Frühstück verbunden war, sondern gleichfalls mit dem Anrecht auf ein beheiztes Zimmer im Krankenhaus. Nach einem weiteren Halbjahr in der zweiten medizinischen Abteilung wurde Kloepfer der ersten medizinischen Abteilung unter Leitung des ihm aus Studienzeiten her bekannten Klinikers Dr. Otto Rembold zugeteilt, „einem grundgelehrten, grundgütigen, aber etwas absonderlichen Manne, dem man vorerst nicht so leicht nahe kam. [...] Und wenn man die Nachmittagsvisite mit ihren Neuaufnahmen allein abzuhalten hatte und an einem unklaren Falle sich müde untersucht, geklopft, gehorcht und getastet hatte, ohne zu einem endgültigen Urteil zu kommen und bei der Morgenvisite seine Zweifel vortrug, mit einem vorsichtigen: ,Was fehlt dem Kranken nun eigentlich?‘, dann hatte der Alte sein stillgeheimes Lächeln und sagte mit Behagen: ,Das weiß ich selbst noch nicht, aber das werden wir schon noch herausbekommen ...‘ und gefiel sich in der Rolle des Schülers, wo seine Diagnose doch längst feststand“.

Als Sekundararzt bald auch erster Klasse wechselte Kloepfer für etwa eineinhalb Jahre auf die chirurgische Abteilung, wo sich soeben der Übergang von der antiseptischen zur aseptischen Wundbehandlung vollzog, und damit eine räumliche Trennung der infektiösen Fälle obligatorisch wurde. Unter der Aufsicht des ersten Assistenten der Klinik, des Salzburgers Rudolf von Frey, übte sich Kloepfer in den wichtigsten Operationen. Kleinliche Wehleidigkeit war da nicht angebracht, „vor allem, wenn der Nachtdienst die Opfer von Verletzungen im Berufe, von Raufereien oder Selbstmordversuchen vor dem Operationstisch ablud. Das waren nicht mehr die stillen Nachtlampen des medizinischen Krankensaales bei der Nachtvisite, das war im grellen Lichte des Operationssaales rotes, rinnendes Blut, das gestillt sein wollte. Dann war es Ehrensache, als Inspektionsarzt, wenn nötig mit einem Kollegen, den Fall klinisch zu versehen, ohne den Assistenten wecken zu müssen. Dann erinnerte man sich wohl daran, wie das einstens ganz anders gewesen, wenn ein Bäuerlein vom Niederschöckel mit einem verrenkten Schultergelenk vom Journalarzt im Spital einfach in den ,Stern‘ gewiesen worden war, wo der Meister aller chirurgischen Handgriffe, der alte Assistent des Professor Rehatschek und Lapps chirurgischer Allerweltsmann beim Arlbergbau, der noch ungraduierte Mediziner Albrecht, unter Mithilfe von uns Füchsen den Arm wie spielend einrichtete und das Bäuerlein voll schönsten Dankes die gastliche Stätte verließ zu nächtlichem Heimweg auf den Niederschöckel“. Es ist nicht ersichtlich, ob Kloepfer auch noch im neuen Hör- und Operationssaal operiert hat, einem 1892 eingerichteten Amphitheater, das 180 Studenten Platz bot. Röntgenunterstützung gab es damals noch nicht, der erste Röntgenapparat mit Akkumulatorenbetrieb wurde vermutlich 1898 in der medizinischen Klinik aufgestellt, in „einem kleinen Holzverschlag eines Krankenzimmers, welches früher zum Kehlkopfspiegeln gedient hatte“. Erst nach der 1902 erfolgten Einleitung von elektrischem Strom in die Anstalt konnten für die medizinische und später auch chirurgische Klinik neue Röntgenapparate angeschafft werden, die in eigenen kleinen Dunkelkammern Aufstellung fanden.